Manchmal liegt das Glück ganz nah… in diesem Fall auf dem Sattel unserer Gravelbikes auf der ersten großen Ausfahrt des Jahres. Eine Tour, die sich beliebig abkürzen und unterbrechen lässt und deren Start- und Zielorte mit den Öffis zu erreichen sind – also auch durchaus geeignet für ein Bike-Wochenende oder mit Kindern. 125 km von Quickborn über Elmshorn, Glückstadt, Wischhafen, Krautsand, Stade, Jork und schließlich Harburg – wer will, kann dann noch weiter radeln.
Quickborn – Elmshorn 25 km
Bei Sonnenschein und angenehmen 12 Grad Außentemperatur ging es um halb neun los in Quickborn. Schon auf den ersten Metern begrüßten uns Rehe und Kraniche im Morgenlicht auf den Feldern hinter Renzel. Auf wenig befahrenen Feldwegen fuhren wir über Ellerhoop weiter Richtung Seeth-Eekholt. Dahinter rollt es sich astrein bis in unsere alte Übergangs-Heimat Elmshorn. Auf dem Weg lohnt sich ggf. ein Abstecher zur Liether Kalkgrube.
Elmshorn – Glückstadt 25 km
Elmshorn ist ein alternativer Einstiegsort in die Tour und mit der Regionalbahn ab Hamburg / Pinneberg zu erreichen (allerdings wohl gerade ohne Aufzug, also nicht zu empfehlen mit Kind / Anhänger). Da das Krückausperrwerk erst am 1. Mai öffnet, sind wir hinter Elmshorn über Kronsnest nach Kolmar gefahren. Dort gibt es direkt am Deich einen Kiosk, der allerdings noch geschlossen war. Der Saisonstart lässt anscheinend noch auf sich warten, auch wenn schon viele Radfahrer unterwegs waren.
Zwischen den Schafen, die tiefenentspannt den Deich bevölkern (und den Weg vollscheißen) führt die Strecke gänzlich ohne Autoverkehr entlang der Elbe nach Glückstadt, das mit seinen alten Häusern am Hafen und dem historischen Marktplatz sehr pittoresk ist. Hier gibt es auch einige Übernachtungsmöglichkeiten und ein überaus reichhaltiges kulinarisches Angebot, also ein guter Zwischenstopp für alle, die die ersten beiden Abschnitte als Halbtagstour planen. Am Bistro Nettchen gab es den ersten Cappuccino für uns, ehe wir mit der Elbfähre nach Wischhafen übersetzten.

Wischhafen – Stade 32 km
Kaum dass wir das andere Ufer erreicht hatten, setzte leider ein leichter Nieselregen ein. Die Strecke nach Stade über Krautsand ist ansonsten super schön und lässt sich gut radeln. Aber wie man in Norddeutschland sagt – „wir sind ja nich‘ aus Zucker“ – ließen wir uns von davon nicht beirren und fuhren einfach weiter, vorbei an tollen Reetdachhäusern und Obstplantagen. Geschichtsinteressierte kommen möglicherweise bei der preußischen Festung Grauerort auf ihre Kosten, wir waren eher an der Kulinarik interessiert und fuhren mit strammen Waden weiter nach Stade.
Stades Altstadt ist wunderschön und ich bin mir sicher, einen Ausflug auch ohne Fahrrad wert. Wir genossen einen hervorragenden Flat White, leckere Stullen und zur Krönung eine fluffige Waffel mit einem exzellenten Birne-Mascarpone-Topping – große Empfehlung für das Café Butterbrot und Blattgold!


Stade – Neugraben 35 km
Wer nicht bis ganz zur Hamburger Stadtgrenze fahren möchte, kann auch in Stade schon in die Bahn steigen. Allerdings kostet die Einzelfahrt ab Stade über 10€ statt der üblichen 3,81€ – das sind immerhin zwei gute Kaffees 😂. Somit sind wir noch ein bisschen weiter gefahren. Hinter Stade führt der Weg kilometerweit durch Obstfelder, bis es vor Jork wieder auf einen Radweg neben der Straße geht. Man kann ab Stade auch wieder an die Elbe zurückfahren, um auf den Elberadweg zu kommen, aber wir wollten diese zusätzlichen Kilometer nicht mehr auf uns nehmen. In Jork gibt es viele tolle Hofläden mit allerlei Leckereien aus dem alten Land und auch Übernachtungsmöglichkeiten. Ab Königreich genossen wir wieder die freie Nebenstraße (“Moorender Straße”), die sich entlang der Este schlängelt. Absolut Premium sind auch die letzten Kilometer nach Neu Wulmstorf. Allerdings fuhr uns die S-Bahn vor der Nase weg, deshalb nahmen wir die letzten fünf Kilometer in Kauf, um in Neugraben in die S3 zu steigen, die uns zurück über die Elbe brachte.
Schlusswort & Optionen
Alles in allem eine unglaublich tolle Tour, die mir nach dem langen Winter und der belastenden und ungewissen Zeit der letzten Monate viel Energie gegeben hat. Unterwegs sind uns eine Mutter und Tochter auf dem Rennrad begegnet… eine schöne Zukunftsvision. Ob mit oder ohne Anhängsel, Fahrradfahren macht den Kopf frei und lässt einen so viele verschiedene Orte an einem Tag erleben – daher mein Appell an euch: fahrt los, entdeckt eure Umgebung – egal ob 5, 25 oder 125 km, es lohnt sich immer. Versprochen.
Weitere Optionen für eine Tour über die Elbe Richtung Altes Land:
- Fähre Teufelsbrück – Finkenwerder – legendär guter Radweg rund ums Airbuswerk
- Durch den alten Elbtunnel und über die Elbinseln – allerdings sind hier unter der Woche viele LKWs unterwegs, am Wochenende geht es gut