FrĂŒh am Morgen – um viertel vor acht – ging es heute in einem Minibus in Kutaissi los. Nach sechs Stunden Fahrt erreichten wir den Ort Mestia in Swanetien, der den Ausgangspunkt unserer viertĂ€gigen Wanderung darstellt.
UrsprĂŒnglich wollten wir in einem sog. marschrutka, einer Art öffentlichem Ăberland-Minibus ohne richtigen Fahrplan nach Mestia fahren. Dann hĂ€tten wir aber auch noch frĂŒh morgens mit unserem GepĂ€ck zum Busbahnhof kommen mĂŒssen und den richtigen Bus identifizieren mĂŒssen – und der fĂ€hrt wohl los, wenn er voll ist, zur Not auch vor der eigentlichen Abfahrtszeit. GlĂŒcklicherweise fanden wir aber gestern noch einen privaten Anbieter, der shared tours nach Mestia anbietet, und konnten gestern unsere Fahrt per WhatsApp buchen.
ĂberpĂŒnktlich – zum GlĂŒck waren wir in deutscher Manier auch frĂŒher abfahrtbereit – wurden wir von einem Ă€lteren Herrn in einem Mercedes Vito abgeholt. Danach sammelten wir noch eine kleine Reisetruppe, bestehend aus einer russischen ReisefĂŒhrerin und drei Frauen, ein, und machten uns auf dem Weg. Beim ersten Zwischenstopp fiel die Ă€uĂerst saubere Tankstellen-Toilette positiv auf – warum nicht auch so in Deutschland?
Unser Fahrer lieĂ sich nicht von den frei herumlaufenden KĂŒhen, Schweinen und Pferden beirren – bzw. sie nicht von ihm. Einen weiteren Zwischenstopp legten wir am (angeblich) siebtgröĂten Staudamm der Welt, dem Enguri Damm ein. FĂŒr zu zweit acht Lari (umgerechnet etwa 2,70âŹ) konnten wir von einer Aussichtsplattform aus den Staudamm und vor allem den Blick ins Tal genieĂen.



Danach wurde die Fahrt wilder. Die StraĂe war zwar weitestgehend asphaltiert, aber es ging auf und ab und war dazu sehr kurvenreich. Interessanterweise waren viele Bienenstöcke und Honig-VerkaufsstĂ€nde am StraĂenrand zu sehen. Irgendwann erblickten wir die ersten schneebedeckten Berge. Unterwegs verpflegten wir uns u.a. mit churchkela. Das sind aneinandergereihte WalnĂŒsse, die von einem Traubensaft-Karamell ĂŒberzogen sind. Sehr lecker! Um etwa 14 Uhr erreichten wir dann den Ort Mestia und gingen erstmal zu unserer Unterkunft, einem Guesthouse mit eigenem Wehrturm.

In Swanetien gibt es sehr viele dieser steinernen WehrtĂŒrme, den sog. koshkebi. Laut unserem Gastgeber ist der in seinem Hinterhof ĂŒber 800 Jahre alt. Wenn feindliche Truppen kamen, konnte sich die Familie ĂŒber mehrere Wochen in dem Turm verschanzen. Andere TĂŒrme in strategisch gĂŒnstiger Lage dienten wohl als Warnsignal. Mit Feuern konnte auf die Feinde aufmerksam gemacht werden.
Von der reichen Geschichte dieser Region konnten wir uns auch im Swanetischen Museum fĂŒr Geschichte und Ethnografie ĂŒberzeugen. Dort gab es viele archĂ€ologische Funde zu bewundern, u. a. mehrere GegenstĂ€nde aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, MĂŒnzen aus Westeuropa, Russland und Zentralasien, die beweisen, dass Swanetien schon immer auĂerordentlich gut vernetzt war (wenn auch schwer zu erreichen), und eine Sammlung von Ikonen. Georgien ist vom orthodoxen Christentum geprĂ€gt und das merkt man auch an den vielen Kirchen und Kreuzen ĂŒberall. AuĂerdem gab es eine Fotoausstellung mit Fotos aus dem spĂ€ten 19. Jahrhundert, die der Italiener Sella gemacht hat, der eine 40kg schwere KamerausrĂŒstung zu diesem Zwecke hierher schaffen musste!





Frisches Brot gab es auch noch, das in einem Tonofen gebacken wurde und herrlich duftete. Damit steht der Brotzeit morgen nichts im Wege ;). Wieder am Guesthouse angekommen, befragten wir noch unseren Gastgeber David zu unserer Wanderung und bekamen dabei Tee und (reichlich!) GebĂ€ck serviert. Die viel beschworene Gastfreundschaft Georgiens lĂ€sst grĂŒĂen. Eben haben wir unsere sieben Sachen gepackt und um acht Uhr, in einer halben Stunde, wird in unserer Unterkunft ein georgisches Mahl serviert. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf den morgigen Tag! Dann geht es auf zur ersten Wanderetappe nach Zhabeshi.

FĂŒr den Trek sind es aber bedeutend mehr als „sieben Sachen“. Mir als Geograph wĂŒrde auf jeden Fall eine topographische und eine geologische Karte fehlen.- Den autonomen Kaukasusrepubliken der Russischen Föderation seid Ihr ja ziemlich nah! Habt Ihr etwas erfahren ĂŒber die Grenze zwischen Asien und Europa? Die ist strittig!
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Die topografische Karte hat der moderne Wanderer in Form des Satellitentelefons dabei, das gleichzeitig eine GPS Ortung ermöglicht, und die GPX Tracks inkl. Abstechern zu den schönsten Aussichtspunkten konnte ich auf der Internetseite des Conrad Stein Verlags runterladen, nachdem wir ganz analog einen Reisewanderer fĂŒr Swanetien gekauft haben ;).
Ja, das stimmt, wenn man sich eine ethnografische Karte des Kaukasusâ anschaut, sieht man, wie viele unterschiedliche Ethnien hier angesiedelt haben⊠sehr spannende und bewegte Geschichte. Mit Blick auf einen majestĂ€tischen Gipfel mache ich mich jetzt im Garten in unserer heutigen Herberge ans Schreiben des nĂ€chsten BlogbeitragsâŠ
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